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eckart MEISEL
GOTT
kocht
Leipzig
2004
Gestaltung
und Herstellung
eckart
MEISEL
Kochrezepte
von Anemone Sikoralski
Text
und Grafik von eckart MEISEL
Alle
Rechte bei den Autoren
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Leseprobe
twas
Schreckliches war geschehen. GOTT hatte den Weltuntergang
eingeleitet. Nur einen winzigen Baustein des Universums hatte ER
verschwinden lassen und das gigantische Gebäude war
zusammengebrochen. Einander vernichtet hatten sich seine
Bestandteile unter brüllenden Flammen. Aufgelöst hatte
sich das All. An seine Stelle war das Nichts getreten. Ungreifbar
war es und unbegreiflicher, als alles Vorangegangene. Das Getöse
des Untergangs war in Stille verwandelt und die Sterne gab es
nicht mehr. In samtener Schwärze herrschte das Rätselhafte,
das Anfang und Ende zugleich ist. Doch würde es selbst das
Nichts nicht geben, wenn nicht wenigstens eine Kleinigkeit
existierte, durch die man es bemerken könnte. Folglich
schwebte ein Etwas in der Finsternis. Ein würfelförmiges
Gebilde mit grauen Wänden aus Gipskarton driftete durch die
Namenlosigkeit. Ein Etwas, das GOTT gerettet hatte, aus dem
Inferno des Untergangs. Dieses Etwas war nichts weniger, als das
materialisierte Endergebnis der Philosophie der vergangenen Welt.
Ein Möbeldesigner hatte mit kurzlebigen Materialien den
Triumph des rechten Winkels zum letzten Mal gefeiert. Eine
Kücheneinrichtung war es, in der sich das Weltbild dieses
Menschen spiegelte. Gnade gefunden hatte seine Kreation vor den
Augen des HERRN und so hatte GOTT diese Küche samt
Katzentoilette und Katze vor dem Vergessen bewahrt. Wie in einem
Rettungsboot saß GOTT jetzt in dem kleinen Raum zwischen
den Einbauschränken, umgeben von blauweißer
Fliesentapete an einem Tisch aus Granitimitat und nahm sich vor,
schnellstens ein neues Universum zu erzeugen, um der beengenden
Situation zu entkommen. Zunächst jedoch wollte ER sich etwas
zu essen zubereiten. Nach einer Katastrophe fand GOTT, würde
am besten eine Süßspeise mit tröstender Note
passen, schnell hergestellt, mit problemlos greifbaren Zutaten.
GOTT hatte da schon seit langem etwas im Blick gehabt, von dem ER
wußte, daß es sich um ein verachtetes Gericht
handelte. Kein Essen für echte Herrscher, jedenfalls nicht
in den Augen der Öffentlichkeit. Jetzt war der geeignete
Moment gekommen sie zuzubereiten, denn ER fühlte sich
unbeobachtet. Im grünlichen Licht der Augen der Katze
schaltete der ALLMÄCHTIGE die Kochplatte ein. Und GOTT goß
einen halben Liter Wasser in einen Topf. Und ER nahm ein Tütchen
Rote-Grütze-Pulver aus dem Küchenschrank und ER las die
schlichte Kochanleitung und hielt sich genau daran. Und GOTT
entnahm dem Topf 5 Eßlöffel Wasser und gab sie in eine
Tasse und ER rührte in der Tasse das Rote-Grütze-Pulver
an und brachte das Wasser in dem Topf zum Kochen mit vier
gehäuften Eßlöffeln Zucker und ER nahm den Topf
von der Kochplatte und gab das eingeweichte Rote-Grütze-Pulver
unter ständigem Rühren in das siedende Wasser. Und
siehe - ein Duft nach synthetischem Himbeeraroma durchzog die
Küche und der HERR ward berauscht von dem süßen
Duft und ER sprach zu sich: das künftige Universum will ICH
gestalten wie diesen Duft, wunderbar soll es werden. Die
scharlachrote Sünde soll in dieser neuen Welt ein harmloses
Vergnügen sein, wie dieses Gericht. Und alle Früchte
der neuen Welt sollen dieses köstliche Aroma besitzen zum
Zeugnis meiner Gnade und Güte. Und ICH will in diesem
Universum auf einer Insel unter Palmen lagern in einer Hängematte
und dem Gezwitscher der weiblichen Kolibris lauschen von Ewigkeit
zu Ewigkeit. Und der HERR machte sich daran, aus Kaffeeweißer
eine Art Milchersatz herzustellen, um damit eine Vanillinsoße
zuzubereiten. Und als ER die Vanillinsoße vollendet hatte,
und der HERR den Geruch des Vanillinaromas verspürte, sprach
ER abermals: ruhevoll soll das neue Universum werden, so
friedlich wie der Geruch der Vanillinsoße. Das Lamm soll
neben dem Wolf lagern und so wie die Vanillinsoße sollen
alle Blüten der künftigen Welt duften zu meinem ewigen
Lobpreis. So habe ICH es beschlossen, so soll es geschehen. Und
GOTT goß die Vanillinsoße über die rote Grütze
und ER servierte sich das Gericht, das da heißt Rote Grütze
mit Vanillinsoße. Und es schmeckte IHM so gut wie IHM noch
nie etwas geschmeckt hatte und ER bereute, diese Speise nicht
schon viel eher ausprobiert zu haben. So ward der HERR getröstet
über die Einsamkeit des schlimmen Ortes.
Dann
machte GOTT sich an die Arbeit, das neue Universum zu planen. Und
ER sprach: jeder Winkel dieser Küche ist mir bekannt, alle
meine Konservendosen kenne ICH mit Namen, Zahl und
Mindesthaltbarkeitsdatum. Jeden Krümel auf dem Fußboden
der Küche, und die genaue Formel für das Himbeeraroma
und das Vanillin und sogar das Innere der Spanplatten und die
genaue Zusammensetzung der Klebstoffe, die meine Küche
zusammenhalten kenne ICH. Dieses Wissen soll die Grundlage meiner
künftigen Welt sein, die aus dieser Küche hervorgehen
wird. Das Schicksal jedes Elementarteilchens werde ICH daraus
ableiten. Seinen Ort und Zustand bestimme ICH, die Zahl der
Sterne lege ICH fest, den Augenblick ihrer Geburt und ihres
Vergehens. Die großen Zusammenhänge werde ICH bedenken
von einem Ende des Universums zum anderen. Und das Schwarze unter
den Zehenägeln der Ameise wird mir bekannt sein bis ins
kleinste Detail.
Und
GOTT setzte sich auf den Fußboden der finsteren Küche
und begann die neue Schöpfung zu planen. Zahlenschlangen
durchkrochen sein Hirn, grüne und gelbe, unendlich lange
Zahlen und kleine Zahlen drehten und wendeten sich. Knotenschnüre
verknüpften sich zu dichten Teppichen. Römische Zahlen
marschierten aufeinander los, verbanden sich von kleinen
Batallionen zu großen Heeren, die gegeneinander kämpften
bis nur noch wenige übrigblieben. Arabische Ziffern tanzten
und graue Ketten von Einsen und Nullen rasselten von einem Ohr
GOTTES zum andern. Langsam wuchsen Formeln und Gesetze, rankten
sich umeinander und verdichteten sich schließlich zur
letzten einfachen Formel, auf der die künftige Welt beruhen
sollte. Und GOTT erhob sich vom Fußboden seiner Küche
und ER sprach die heiligen Worte, die die Schöpfung
einleiteten.
Da
war es, das neue Universum in seiner Pracht und es leuchtete und
schimmerte in zarten und kräftigen Farben. GOTT schien es
fast noch schöner zu sein, als er es sich ausgedacht hatte.
Und der HERR stieg hernieder auf seine weiße Insel mitten
im warmen Ozean und suchte seine Hängematte auf, in der ER
es sich bequem machen wollte. Doch der Duft der Blüten war
nicht einheitlich wie sich GOTT das vorgestellt hatte, sondern
jede Blüte besaß einen anderen Geruch und der
Geschmack der Himbeeren erinnerte nicht im entferntesten an rote
Grütze. Auch von den Kolibris war nichts zu sehen. Statt
dessen begrüßte ihn freundlich schnurrend die Katze.
Sie lächelte IHM zu, mit rotgeschminktem Mund und war mit
hübschen bunten Federn geschmückt. Da raufte GOTT sich
die Haare und den Bart. ER begriff, daß der ewige Frieden
in der Hängematte vorbei war, ehe er begonnen hatte, denn ER
hatte vergessen, sie in seine Berechnungen aufzunehmen - sie, die
Wirklichkeit, die eine Katze ist und ihre eigenen Wege geht.
Rote
Grütze
Zutaten
500g
gemischte Beeren frisch oder auch gefroren
1,5
l Wasser
4
EL Zucker
1
Handvoll Rosinen
einen
halben TL gemahlenen Zimt
150
g Weizengrieß
Saft
einer halben Zitrone
Zubereitung
Beeren,
abgewaschene Rosinen, Wasser und Zucker aufkochen. Zimt und Grieß
einrühren und kochen. Zum Schluß noch den Zitronensaft
dazugeben. Beim Servieren kann man noch mit süßer oder
saure Sahne oder Jogurth verfeinern.

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Das ganze Buch besteht aus sieben
Kurzgeschichten
und elf alltagstauglichen Kochrezepten.
Natürlich habe ich es auch illustriert.
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